Nichtwählen ist auch demokratisch

Vor jeder großen Wahl ermahnen die Vertreter der etablierten Parteien uns Wahlberechtigte, dass eine Teilnahme an der Wahl demokratische Bürgerpflicht und zur Verhinderung einer Stärkung extremer Parteien notwendig sei. Doch ist das so richtig?

1. Der Idealfall
Sie finden Ihre politische Meinung größtenteils in dem Programm einer Partei wider. Dann seien Sie froh, nicht bequem, und gehen Sie wählen! Sie möchten doch, dass aus diesen Ideen Realität wird.

2. Keine Partei bietet ein Programm, mit dem Sie sich identifizieren können
Leider immer häufiger der Fall, weil die etablierten Parteien einander immer ähnlicher werden und das Geschacher um machtvolle Posten wichtiger zu sein scheint als das Entwickeln von Konzepten zur Lösung dringender Probleme, geschweige denn Visionen. In dieser Situation haben Sie zwei Optionen:

a) Sie gehen nicht wählen
Nicht zu wählen ist Ihre freie Wahlentscheidung, und die ist in Deutschland garantiert. Mehr noch, es ist sogar richtig nicht zur Wahl zu gehen, sofern Ihnen keine Partei passt. Warum sollten Sie einer Partei die Stimme geben, deren Programm nicht mit Ihren Vorstellungen von vernünftiger Politik übereinstimmt? Gehen Sie dennoch zur Wahl und setzen Ihr Kreuz willkürlich, dann stärken Sie eine Partei, die Ihre Meinung gar nicht vertritt.

Die Politiker der etablierten Parteien sind sehr daran interessiert, dass Sie in jedem Fall an der Wahl teilnehmen, denn sie spekulieren darauf, dass Sie Ihr Kreuz aus Bequemlichkeit oder Gewohnheit irgendwo am Anfang der Liste machen. Eben genau dort, wo sich diese Parteien befinden. Wahrscheinlich hätten die sog. Volksparteien schon viel früher in den Wahlergebnissen abgebaut, wenn wirklich nur überzeugte Wähler zur Wahl gegangen wären. Insofern hat Wählen um des Wählens Willen den Zeitpunkt unnötig hinausgezögert, an dem die breite Unzufriedenheit im Volk offenkundig wurde.

b) Sie wählen aus Protest extrem rechts oder links
Stellen Sie sich vor, Sie gehen auf den Markt und wollen Obst kaufen, doch die angebotene Ware sieht nicht gut aus. Was machen Sie? Gehen Sie weiter und kaufen nichts, oder kaufen Sie "aus Protest" das faulste Stück Obst, das nicht schmeckt, krank macht, und zahlen auch noch dafür?

Sehr wahrscheinlich kaufen Sie nichts, und so sollten Sie es auch bei Wahlen handhaben. Denn wer aus Protest die Angsthasen für Deutschland am rechten Rand oder die linken SED-Nachfolger wählt, der bestraft nicht die Politiker sondern mittelfristig sich selbst. Je mehr faules Obst gekauft wird, um so mehr Faules wird zukünftig angeboten. Und bezahlen werden Sie.

Fazit
Machen Sie es bei Wahlen wie im Alltag. Wenn ein Produkt sie überzeugt, wählen Sie es. Überzeugt Sie das Angebot nicht, dann bleiben Sie zuhause. Das ist Ihr demokratisches Recht.

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